Slawische Beiträge bei der VIENNALE

Slawische Beiträge bei der VIENNALE

Auch bei der diesjährigen VIENNALE vom 23. Oktober bis 6. November 2014 gibt es wieder filmische Beiträge mit slawischem Bezug. Die Viennale, die heuer zum 52. Mal stattfindet, ist Österreichs größtes internationales Filmevent und zugleich eines der akzentuiertesten und qualitätsvollsten Filmfestivals im europäischen Zusammenhang. Es ist der Versuch, sowohl ein Publikumsfestival für eine breite, kinointeressierte Öffentlichkeit zu sein, als auch den Stand der internationalen Filmkultur auf hohem ästhetischen und politischen Niveau zu vermitteln und zur Diskussion zu stellen.

 Das vollständige Programm findet ihr unter http://www.viennale.at/de/kalender#all

SPIELFILME

Leviafan
Andrey Zvyagintsev (RUS 2014)
25.10 11:00 Gartenbaukino
04.11 21:00 Metro, Großer Saal

In einer kleinen Stadt auf der Kola-Halbinsel im nordwestlichen Russland kämpft ein Mann als arktischer Hiob zwischen ausgebleichten Walgerippen gegen seinen von einer korrupten Verwaltung und Justiz beschlossenen Untergang. Vor den eisgrauen Wellen der Barentssee entwirft Zvyagintsev ein meisterlich verdichtetes Epos, das Politparabel, Melodram und schwarze Satire in einem sein kann, ohne je das eine an das andere zu verraten. Behördenwillkür, Alkohol, Waffen, die neue Macht der Popen und smarte Advokaten aus Moskau mit eigener Agenda – sie unterfüttern die russische Gesellschaft unter Wladimir Putin auch hier noch, am Rande der Zivilisation.

Phantom Power
Pierre Léon (F/RUS/P/E/A/BY 2014)
28.10 12:00 Metro, Eric Pleskow Saal
29.10 18:30 Metro, Großer Saal

Pierre Léons kleines, in unregelmäßigen Abständen entstehendes Werk changiert zwischen experimentellem Homemovie und theatralischer Inszenierung, Found-Footage-Assemblagen und Dokumentarischem. PHANTOM POWER ist so etwas wie die Summe dieser reichen und verschwenderischen Anstrengung, eine poetische Folge von filmischen Fragmenten, das Inventar seines Kinos. Zwischen russischen Volksliedern und dem Gesang von Ingrid Caven, zwischen Mikrodramen und gefundenem Material entfaltet sich die poetische Welt dieses eigensinnigen, noch immer verborgenen Künstlers, dessen Entdeckung und Wertschätzung längst überfällig ist. In Anwesenheit von Pierre Léon.

Plemya
Myroslav Slaboshpytskiy (UA 2014)
29.10 13:00 Gartenbaukino
30.10 13:30 Metro, Großer Saal

Der gehörlose Sergey kommt in ein Internat für Behinderte, in dem eine brutale Gang herrscht und der Neuling sich seinen Platz in der Hierarchie erst erkämpfen muss. Als er mit Anya, der Geliebten des Anführers eine Affäre beginnt, wird er zur Persona non grata und sein Leben gerät in Gefahr. Der Film, in dem nur mit Gebärdensprache kommuniziert wird, ist aus einer Serie von Plansequenzen komponiert und besticht durch ästhetischen Eigensinn, ohne sich in Formalismus zu erschöpfen. Im Gegenteil: Gerade durch die Kargheit der visuellen Komposition erhalten die Bilder eine kreatürliche Urkraft, wie man sie im Kino selten erlebt.

DOKUMENTARFILME

Maidan
Sergei Loznitsa (NL/UA 2014)
25.10 20:30 Urania
26.10 13:00 Gartenbaukino

Von Dezember 2013 bis Februar 2014 richtet Loznitsa seine Kamera auf den Kiewer Unabhängigkeitsplatz. In kühnen, die handelsübliche Reportageästhetik kontrastierenden Einstellungen verdüstert sich die Atmosphäre aus fast karnevalesk anmutenden Anfängen zu den gewaltsamen Szenen unmittelbar vor der Absetzung des Präsidenten. Loznitsa verzichtet auf genretypische Verfahren wie Interviews oder hervorgehobene Protagonisten. Stattdessen gelingen ihm an Delacroix gemahnende Revolutionspanoramen aus der Perspektive der demonstrierenden Massen. Bewusst Partei ergreifend gibt der Film auch einen Blick auf die nationalreligiös aufgeladenen Pathosformeln des Umsturzes frei.

Red Army
Gabe Polsky (USA/RUS 2014)
03.11 21:00 Metro, Großer Saal
05.11 15:30 Gartenbaukino

Eine dokumentarische Recherche über Rolle und Geschichte der legendären sowjetischen Eishockey-Nationalmannschaft, die sich als eine Art Komödie des Kalten Krieges entpuppt oder eine Spionage-Geschichte oder ein politisches Lehrstück. Viele Jahre lang diente die Stärke des russischen Eishockey als ideologischer Beweis, als Beispiel politischer Überlegenheit und Stärke. Welch seltsame Blüten das trieb und welche weltpolitischen Verunsicherungen das stiftete, entfaltet dieser Film auf höchst vergnügliche und lehrreiche und manchmal absurde Weise.

Nepal Forever
Aliona Polunina (RUS/Nepal 2013)
05.11 18:00 Urania
06.11 16:00 Metro, Großer Saal

Sergei und Viktor, Funktionäre einer radikal traditionsverhafteten, d.i. konservativen aka rückwärtsgewandten, kommunistischen Splittergruppe reisen – in Ermangelung sinnvoller Tätigkeiten in ihrer Heimat St.Petersburg – nach Nepal: Die dortigen Genossen benötigen Hilfe. Es gilt, das Zerwürfnis zwischen der marxistisch-leninistisch und der maoistisch ausgerichteten kommunistischen Partei zu kitten, um die Sache der Weltrevolution voranzubringen. Während die nepalesischen Politiker nicht wissen, wie ihnen geschieht, protestieren die russischen Alt-Kommunisten gegen die Schippe, auf die Don Quixote und Sancho Pansa sie nehmen wollen. Politische Teilhabe als dokumentarische Groteske. In Anwesenheit von Aliona Polunina.